Olympia 2012 in London | Ticketvergabepraxis in der Kritik

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Einem ungeheuerlichen Skandal gleich werden derzeit die Ticketvergabepraktiken der Olympischen Spiele 2012 in London von den Medien zerrissen (u.a. Spiegel Online). Insbesondere die Boulevardpresse (z.B. der engl. Mirror) reibt sich daran, dass für Sepp Blatter und Muammar al-Gaddafi mehrere hundert Tickets für die Spiele zugeteilt worden sind.

Natürlich soll mit dieser Formulierung der Anschein geschürt werden, dass die genannten Herren persönlich alle diese Tickets unrechtmäßig erhalten haben. Dabei ist es die gängige Vergabepraxis, nationale und internationale Sportverbände mit Tickets zu versorgen, sodass Sportler bzw. deren Angehörige leichteren Zugang zu den Spielen haben.

Diese Pakete beinhalten für die jeweilige Verbandsführung natürlich mehr oder weniger standardisierte Annehmlichkeiten, die in London 2012 z.B. einen Fahrdienst und Übernachtung beinhalten. Es wäre für die Organisatoren der Olympischen Spiele sicherlich nur schwer der Öffentlichkeit zu kommunizieren, dass der Präsident des Internationalen Ruderverbands ein solches Paket erhält, der Präsident der Weltfußballverbands allerdings nicht. In diesen Fällen entscheidet das Amt und nicht die Sympathiewerte.

Über die Kosten der auf dem Silbertablett gebotenen Leistungen kann man sich angesichts der Ticketpreise für die Öffentlichkeit natürlich trefflich streiten. Und selbstverständlich bleibt bei all dem angesichts diverser Schwarzmarktskandale in der Vergangenheit ein gewisses Geschmäckle bestehen.

Ebenso im Falle Libyen: Was spricht dagegen, die Verteilung von Ticketkontingenten an diejenigen abzugeben (Libysches Olympisches Komitee), die die Vergabe innerhalb ihrer Strukturen (national an regional bis runter zum örtlichen Sportverein) am besten kennen?

Zu kurz gedacht ist die schnell formulierte Forderung, keine Tickets an Libyen zu verteilen. Dieselben Redaktionen würden ihre Nachrichten dann vermutlich titulieren mit „Skandal: Libysche Fans von Olympia ausgeschlossen“. Allen Recht machen kann man es selten, das gilt insbesondere in der spannenden Welt des Ticketing.