Bayreuther Festspiele 2011 | Ticketverteilung auf dem Prüfstand

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmail

Neue Besen kehren gut – hoffentlich. Nach dem Ableben Wolfgang Wagners möchte seine Tochter und Festspielleiterin Katharina Wagner die Verteilung der Ticketkontingente der Bayreuther Festspiele nun genauer unter die Lupe nehmen. Stein des Anstosses ist die Kritik des Bundesrechnungshofes, wobei insbesondere die Kontingente für zwei Aufführungen für Gewerkschaften im Blickpunkt stehen. Ebenso sollen Kontingente von Reiseveranstaltern geprüft werden.

Nur etwa 40 Prozent der verfügbaren Tickets gehen an die Öffentlichkeit, was bei der gegebenen Nachfrage von Wartezeiten von bis zu 9 Jahren und einen florierednen Schwarzmarkt (Tickets ab 499 EUR) zur Konsequenz hat. Gleichzeitig wird die “Gesellschaft der Freunde von Bayreuth” mit rund 14.000 Kaufkarten versorgt, wofür der Verein nach eigenen Angaben die Festspiele allein in diesem Jahr mit 3 Mio Euro unterstützt. Kein Wunder also, dass sich die “Gesellschaft der Freunde von Bayreuth” vehement gegen dir Kritik wehrt und betont, dass es sich um Kaufkarten handele (für welchen Preis auch immer) und ohne ihr Engagement die staatlichen Subventionen höher ausfallen müssten.

Bayreuther Festspiele – Ticket-Infos

My two cents: Hohe Nachfrage, Subventionierung, verhältnismäßig günstige Ticketpreise, Schwarzmarkt, zu viele Interessengruppen: Die Bayreuther Festspiele bewegen sich in einem Umfeld voller Ungleichgewichte. Wo eine große Nachfrage auf wenige Tickets trifft, muss der Preis regulieren, was die nur schwer kommunizierbare Subventionen überflüssig machen könnte. Der Aufschrei, der in diesem Fall durch die heile Wagnerwelt gehen würde – “Tickets müssen für jeden erschwinglich sein” – greift hierbei zu kurz, denn: die Bayreuther Festspiele sind eine verdammt günstige Veranstaltung. Hörplätze für unter 10 EUR? Wo gibt’s denn sowas. 50 EUR würden niemanden arm machen. Und Gruppierungen, die durch ihr finanzielles oder soziales Engagement ein Anrecht auf Tickets formulieren, könnten durch entsprechende Preismodelle noch immer fair bedient werden. Ein Blick hinüber zum Ticketing anderer Großveranstaltungen könnte dabei helfen, sich vom provinziellen und nicht mehr zeitgemäßen Charakter der Festspielorganisation zu lösen.

Die 100. Bayreuther Festspiele beginnen am morgigen 25. Juli und enden am 28. August 2011.

Lass Dich kostenlos per E-Mail benachrichtigen, wenn es zu der Kategorie Neuigkeiten gibt: hier klicken.