Fan-Ärger um HSV-Ticketdeal mit viagogo | Gastkommentar

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Nicht nur Unmut, sondern Ärger erregt seit einigen Tagen in online-Foren und in der Presse ein Deal des Hamburger SV mit der Ticket-Weiterverkaufsplattform viagogo.

Die Eckdaten: der Verein wird für jedes Heimspiel rund 2% der verkaufbaren Plätze nicht über den eigenen Ticketshop auf der HSV-Website anbieten, sondern über die Website von viagogo. Dies entspricht 1.500 Tickets, die somit zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr zu einem erheblich höheren Preis verkauft werden. Darüber hinaus wird die Dauerkartenbörse des HSV dem Portal von viagogo weichen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Auch der FC Bayern ist in dieser Saison in einer Partnerschaft mit viagogo.

Die Bedenken der Fans sind verständlich. So wird die Anzahl zur Verfügung stehender Tickets, insbesondere für stark nachgefragte Spiele, um 1.500 sinken und somit die Chance, Karten im Vorverkauf zu ergattern, verringert.

Gleichzeitig steigen die Preise, da bei im Vorverkauf ausverkauften Spielen viagogo als Ausweichmöglichkeit genutzt werden muss.

Aus Vereinssicht stellt sich diese Kooperation anders dar. Auch ein Fußballverein muss betriebswirtschaftlich denken und handeln, und die Gewinnmaximierung ist dabei eines der wichtigsten Ziele. Jeder Veranstalter wie den HSV sieht sich jedoch vor der Problematik, Preise im Voraus festzulegen, was im Verkauf von Tickets nicht nur gängige Praxis ist, sondern auch Kalkulationen und die Abwicklung erleichtert.

Der Veranstalter muss dabei zwangsläufig darauf verzichten, eine gegebenenfalls höhere Preisbereitschaft von Fans abzuschöpfen. Vor diesem Hintergrund erscheint es legitim, dass ein kleiner Teil des Ticketkontingents in Auktionen bzw. auf einem Markt mit flexiblen Preisen angeboten wird, um eben diese Preisbereitschaft zu realisieren. Schließlich und selbstverständlich ist der HSV am viagogo-Umsatz dieser Tickets beteiligt.

Fans entgegnen, dass dieser Deal den Schwarzmarkt legalisiere. Das ist insofern richtig, unterstellt man dem Verkäufer eine (hohe) Gewinnerzielungsabsicht. Allerdings verfließen Grenzen zwischen dem „schmutzigen“ Schwarzmarkt vergangener Zeiten und modernem, online-basiertem Weiterverkauf. Ticketverkäufe, die bislang vor Ort oder bei ebay ohne Netz und doppelten Boden abgewickelt werden müssen, können nun kanalisiert, mit Sicherheiten ausgestattet werden und entsprechende vor-Ort-Services bieten, wie z.B. Abholstellen am Stadion. Vom Kundenservice ganz zu schweigen. Hier hat viagogo im Übrigen noch einiges aufzuholen – die Plattform ist nicht unbedingt für exzellenten Kundenservice bekannt

Fazit: Man darf vor dem Hintergrund dieses Deals nicht vergessen, dass die Bundesliga nach wie vor die günstigsten Tickets und Dauerkarten im europäischen Vergleich bietet. Die Vereine sind weiterhin bestrebt, fanfreundliche Preise zu bieten, gleichzeitig müssen die Einnahmen auch aus dem Ticketing steigen, um im wirtschaftlichen Wettbewerb mithalten zu können.

Hätte der HSV den Deal nicht mit viagogo gemacht, sondern eine Ticket-Auktionierung auf der eigenen Website angeboten, wäre der Wirbel unter den Fans vermutlich gar nicht erst entstanden. Auch bei der UEFA EURO 2012 in Polen und der Ukraine wurden Tickets im kleinen Rahmen auktioniert und somit die maximale Preisbereitschaft abgeschöpft, ohne negative Reaktionen. Man kann und wird sicherlich weitere solcher Deals in der Bundesliga eingehen – die Vereine müssen sich ja nicht so unglücklich anstellen wie der HSV, der seit Jahren gegen den viagogo-Konkurrenten Seatwave prozessiert und dieses Vorgehen nun abrupt beendet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Nicolaus Pham hat Betriebswirtschaft in Bayreuth studiert und war für CTS Eventim, den DFB und die UEFA im Ticketing tätig. Als Ticketmanager betreute er unter anderem die WM 2006 und die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. 

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